Kastration

Lassen Sie Ihre Böcke kastrieren!

Es gehört zum Alltag einer Notstation – Mails und Anrufe von ratlosen, aufgeregten und entnervten Tierbesitzern. Sie alle haben dasselbe Problem:

Ihre Böcke streiten sich und
bekämpfen sich bis aufs Blut.

Diese Tierbesitzer haben leider alle, in der Regel aus Unwissenheit, denselben Fehler gemacht. Sie haben sich beim Kauf oder der kostenlosen Übernahme der Tiere völlig falsch beraten lassen.

Man hat ihnen erzählt:

  • Böcke müssen ganz bestimmt nicht kastriert werden. Das ist nur hinausgeworfenes Geld.
  • Nein, bloss nicht, das Risiko einer Narkose ist viel zu gross, das will ich nicht verantworten.
  • Die Böcke dürfen nur nie Weibchen in Riechweite haben, dann klappt das.
  • Das sind Brüder, die werden niemals ein Problem miteinander haben.
  • Die Böcke sind gratis, Hauptsache, sie bekommen ein gutes Plätzchen.
  • Falls sie sich doch irgendwann streiten sollten, können Sie sie ja immer noch kastrieren.
  • Wir hatten noch niemals Probleme mit unkastrierten Böcken. Das ist alles nur Unsinn.

Diese und ähnliche Argumente werden Sie von jenen Tiervermehrern hören, die nicht im Traum daran denken, für die Tiere die sie da produziert haben, wirklich Verantwortung zu übernehmen und dafür ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen. Entweder sind es sogenannte „Tierliebhaber“, die einfach potente Böcke und Weibchen zusammen halten und die Tiere unkontrolliert machen lassen, oder es sind sogenannte „Kinderzimmerzuchten“, das heisst, die Tiere wurden auf Wunsch der Kinder produziert, die dieses Erlebnis unbedingt mal haben mussten. Und weil die kleinen Meerschweinchen so jöö und herzig sind, kommt man auch schnell auf die Idee, man könnte sein Taschengeld durch die Meerschweinchenproduktion aufbessern. Dabei hat man weder von Genetik eine Ahnung noch ist man sich der Risiken bewusst, die derart planlose Vermehrungen für eine Meerschweinchenmutter und deren Babys mit sich bringen.

Das Internet ist voll mit Inseraten, in denen junge Meerschweinchen für zehn oder zwanzig Franken, oder sogar völlig kostenlos angeboten werden. Inserate in denen  „ständig“ oder „laufend“ junge  Meerschweinchen angeboten werden. In solchen „Dumpingpreisen“ sind Kastrationen nur in den allerseltensten Fällen enthalten. Zugegeben, für einen potentiellen Käufer sind solche Angebote natürlich verführerisch. Mag sein, dass die Meerschweinchen in solchen Vermehrungsstätten sogar sehr gut gehalten werden. Dennoch fehlt die Seriosität, denn wer dafür sorgt (oder nicht verhindert), dass neues Leben entsteht, und sei es auch nur ein einziges Mal, der muss auch dafür besorgt sein, dass es den Tieren auch im späteren Leben noch möglichst gut geht. Dazu gehört unbedingt die Frühkastration.

Selbst wenn der Nachwuchs nicht beabsichtigt war, wenn es ein „Unfall“ war oder unwissentlich ein bereits trächtiges Weibchen gekauft wurde, so tragen doch Sie als aktueller Halter dieser Jungtiere die Verantwortung für dieses junge Leben. Und mit einer Frühkastration gibt man einem jungen Meeri -Böckchen ein ideales Sprungbrett in sein zukünftiges Leben.

Falls Sie, als zukünftige/r  Meerschweinchenhalter/in Ihre Tiere nun nicht in einer seriösen Zucht, einem Tierheim oder einer Notstation kaufen wollen, sondern dem Inserat mit den Gratismeerschweinchen oder dem Angebot der Nachbarn, die gerade junge Meeris zu vergeben haben, erliegen, so appelliere ich an Sie:

Bitte lassen Sie die jungen Böckli unverzüglich kastrieren!!

Die Tiere, Ihr Geldbeutel (angesichts der zukünftigen TA-Kosten wegen verbissener Böcke) und nicht zuletzt Ihre Nerven, werden es Ihnen danken.