Leih-Meeris

PRO UND KONTRA LEIH-MEERSCHWEINCHEN

 

Die Nagerfarm gibt keine Leih-Meerschweinchen ab, denn hier werden Lebensplätze für die Tiere gesucht. Dieser Artikel hier soll aber , wie alle Themen auf dieser HP, dazu anregen, für seine Tiere voraus zu denken.

Seit September 2008 ist nach dem Schweizer Tierschutzgesetz die Einzelhaltung von Meerschweinchen verboten. Das ist auch absolut richtig so. Meerschweinchen sind Sippentiere, die alleine gehalten verkümmern. Es ist zwar wahr, dass sich viele einzeln gehaltene Meeris enger dem Menschen anschliessen, dies tun sie aber nur aus purer Not.

Nun, es ist natürlich sehr einfach, einfach etwas per Gesetz zu verbieten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass irgendwann, von diesen gesetzlich vorgeschriebenen zwei Tieren, naturgemäss wieder eines alleine ist. Sofern es sich nicht um eine Krankheit oder Vergiftung handelt, die gleich beide Tiere betrifft, so stirbt halt nun mal eines immer zuerst. Doch sobald man nach dem Tod eines seiner beiden Meerschweinchen nur noch eines hat, macht man sich man ja nun sofort der Gesetzwidrigkeit schuldig. Ein Verbot wurde ausgesprochen, eine Lösung für das Problem aber nicht geboten.

Aus diesem Umstand heraus wurde die Idee des „Leih-Meerschweinchens“ geboren. Die Idee war, dass ein Meerschweinchenhalter, der eines seiner Tiere verloren hat, bei einem Züchter ein neues Meerschweinchen als Gesellschaft für sein verwitwetes Tier kauft und dabei von diesem die Garantie erhält, dass er dieses Meerschweinchen wieder an den Züchter zurückgeben kann, sobald sein anderes Tier gestorben ist. Ob der Halter dann den Kaufpreis für das zurückgebrachte Meerschweinchen erstattet bekommt, wird zwischen den beiden Parteien in der Regel beim Kauf des Tieres vereinbart. An sich klingt das nach einer guten Lösung des Problems „einzeln übriggebliebenes Meerschweinchen“.

Nur hat die Erfahrung inzwischen gezeigt, dass sich das in der Praxis nicht immer so leicht und unkompliziert ausführen lässt, wie man zuerst gedacht hat. Das hat folgende Gründe:

Es eignet sich längst nicht jedes Meerschweinchen als Leih-Tier. Für Leih-Meerschweinchen braucht es Meeris, die ein gesundes Selbstvertrauen und ein robustes Gemüt haben. Solche Schweinchen vertragen einen mehrmaligen Orts-und Halterwechsel eigentlich sehr gut und verhalten sich nach einem Platzwechsel, als wären sie schon immer dort gewesen. Häufig sind dies „ausgediente“ Zuchtweibchen, die altershalber aus der Zucht genommen werden. Solche Weibchen sind es schon ein Leben lang gewöhnt, innerhalb der Zucht immer wieder etwas hin und hergeschoben zu werden. Immer wieder mal mussten sie für ein paar Wochen die gewohnte Umgebung verlassen und zum Deckbock ziehen. Für diese Schweinchen ist ein Platzwechsel meist eine recht unkomplizierte Sache. Ob sie nur von Stall zu Stall ziehen oder dazwischen noch rasch eine Autofahrt machen, erschüttert diese Tiere in der Regel nicht.

Ängstliche und nervöse Meerschweinchen eignen sich überhaupt nicht als Leih-Meeris. Solche Tiere dürfen nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Es liegt im Ermessen des jeweiligen Züchters, zu entscheiden, welche Tiere geeignet sind und welche nicht.

Nun ist es leider so, dass es Züchter und „Züchter“ gibt. Nebst einigen sehr guten Züchtern, die Ihre Tiere und deren Charakter kennen und denen Ihre Tiere am Herzen liegen, gibt es auch die „Eintagsfliegen“ oder schlicht und einfach schwarze Schafe. Viele dieser „Züchter“ haben die Leih-Meerschweinchen als gutes Geschäft entdeckt.

Die Idee des Leihmeerschweinchens hat derart eingeschlagen, dass die Nachfrage nach diesen Tierchen kaum zu befriedigen ist. Dies verleitet die weniger seriösen Züchter dazu, so gut wie jedes Tier als Leih-Meerschweinchen zu vergeben, ob es nun geeignet ist oder nicht. Oft werden die Tiere nach dem Zurückbringen sogar mehrmals wieder als Leih-Meerschweinchen vermittelt. Das bedeutet, es wird bis zu zwei bis viermal an dem Tier verdient, denn meistens wollen die Leute, die das Leih-Meeri einstmals gekauft haben, den Kaufpreis nicht mehr zurück. Um das „Verdienen am Tier“ soll es hier aber gar nicht gehen, sondern es soll aufzeigen, dass viele Leihmeerschweinchen auf diese Weise zur reinen Handelsware degradiert werden. Sie werden nach Bedarf, wie ein Wanderpokal, immer wieder zu anderen Tieren vermittelt. Dass hier auch immer wieder stallspezifische Viren und Erreger hin und her geschoben werden scheint niemanden zu kümmern.

Die „Eintagsfliegen“ unter den Züchtern sind für die Kunden, die ein Leih-Meerschweinchen kaufen, ein besonderes Ärgernis. Meist existieren diese Zuchten nach zwei, drei Jahren nicht mehr und die Leih-Meerschweinchen werden nicht wie versprochen zurückgenommen. Somit werden die Kunden, die nun wieder mit demselben Problem dastehen, nämlich mit einem einzeln übrig gebliebenem Meerschweinchen, einfach im Stich gelassen. Das gegebene Wort existiert nicht mehr….. Eine ganz besondere Gleichgültigkeit beweisen einige ehemalige Züchter dann auch noch, indem sie den Leuten noch nicht einmal mit einer anderen Adresse, an die sie sich wenden könnten, weiterhelfen, sondern einfach behaupten, sie wüssten nun halt auch nicht, was man mit dem Tier machen soll.

Ein weiteres Problem sind all die Kastraten, die als Leih-Meerschweinchen im Umlauf sind. Von den Züchtern, die Ihre verliehenen Tiere tatsächlich noch zurück nehmen, werden Weibchen meist gerne zurückgenommen, denn Weibchen kann man immer irgendwo noch in eine bestehende Gruppe integrieren. Kastraten stellen hingegen ein Problem dar, sie sind schwieriger zu vergesellschaften und manchmal sogar unverträglich miteinander, vor allem, wenn sie nur an Weibchen gewöhnt sind. Diese Tiere dann zurück zu nehmen erfordert beim Züchter den entsprechenden Platz und natürlich auch, dass die richtige Gesellschaft für den Kastraten vorhanden ist. Häufig ist beides nicht der Fall, und manche Züchter möchten die Kastraten eigentlich gar nicht zurückhaben….

So kommt es auch immer wieder vor, dass man die Weibchen zurück nimmt, die Leute aber mit den Kastraten zu den Auffangstationen und Tierheimen schickt. Nicht gerade fair – den Tieren gegenüber nicht und auch nicht gegenüber den Auffangstationen, die sich dann anstelle der Züchter um das Problem „männliches Meerschweinchen“ kümmern dürfen.

Aber nicht immer sind nur die Verleiher der Meerschweinchen schuld an einem unzufriedenem Ausgang der Geschichte. Es kommt nämlich gar nicht so selten vor, dass Leihmeerschweinchen in krankem, parasitären oder sogar unterernährtem Zustand zurückgegeben werden. Es wird dann jeweils einfach behauptet, man hätte den Zustand des Tieres gar nicht bemerkt. So spart man sich die Tierarztkosten und schiebt das Leih-Tier mitsamt den Folgekosten wieder an den Züchter zurück. Das ist diesem gegenüber natürlich absolut nicht fair. Weiter kommt es häufig vor, dass nach dem Tod des Meerschweinchens, das einen Leih-Partner brauchte, das ausgeliehen Schweinchen aus lauter Faulheit und Bequemlichkeit nicht sofort zurückgebracht wird. So bleiben Leih-Meerschweinchen manchmal während Wochen oder sogar Monaten am Ende selber völlig alleine sitzen.

Grundsätzlich wäre die Idee mit den Leihmeerschweinchen eigentlich eine Gute, eine saubere Durchführung des ganzen Prozederes scheitert aber noch häufig an der Seriosität einiger Züchter oder Meerschweinchen-Adoptanten. Und die Leidtragenden sind am Ende immer wieder die Tiere.

Meine Meinung ist es, und da dürften sich die Tierhalter ruhig auch mal selbst an der Nase nehmen, dass es das ganze Problem mit dem einzeln übriggeblieben Meerschweinchen gar nicht geben würde, wenn man wenigstens drei Tiere als Kleinrudel hätte, so, wie es der Natur dieser Tierart entspricht. Beim Tod eines Meeris könnte man sich Zeit lassen, das Rudel wieder mit einem geeigneten Schweinchen zu ergänzen Und wenn man weiss, dass man dann irgendwann die Meerschweinchenhaltung beenden möchte, sollte man einen neuen Platz für seine Meeris suchen, solange es noch zwei Tiere sind und diese dann zu anderen, bereits am neuen Ort vorhandenen Meerschweinchen platzieren. Damit wäre das Problem gelöst, sprich, es wäre gar nicht erst vorhanden.

Das würde natürlich wiederum voraussetzen, dass man für sich und seine Tiere etwas vorausdenkt! Und Leuten, die das immer wiederkehrende und inzwischen völlig abgedroschene Argument gebrauchen, sie hätten nur Platz für einen Käfig und somit für nur zwei Meerschweinchen, soll wieder einmal gesagt sein:

Wer keine 1,5 m2 Platz für drei Meerschweinchen in seiner Wohnung oder 2 m2 in seinem Garten oder auf dem Sitzplatz freimachen kann,
DER HAT KEINEN PLATZ FÜR MEERSCHWEINCHEN!