Umdenken ist angesagt

Umdenken in der Heimtierhaltung

Die Haustierhaltung hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark gewandelt, zum Glück, muss ich sagen!

Früher war die Einstellung Tieren gegenüber (Nutz- und Haustiere) sehr pragmatisch und ohne Einbezug der natürlichen Bedürfnisse der Tiere an sich. Man richtete es sich halt so ein, wie es gerade am praktischsten war für den Menschen. Ob das sinnvoll, angenehm und artgerecht für das Tier war, kümmerte niemanden.

Seit 20 – 30 Jahren findet ein Umdenken statt bei der Tierhaltung (bei allen Tieren, Nutztieren in der Landwirtschaft, Zoo- und Zirkustieren und Haustieren). Man macht sich zunehmend Gedanken darüber, was eigentlich für das Tier am besten wäre, was es braucht, damit es ihm wohl ist und wie Tiere ein etwas angenehmeres Leben verbringen dürfen in menschlicher Obhut.

Auf Meerschweinchen bezogen heisst das:

Früher war die dekorative Aufbewahrungs-Haltung üblich, das heisst Meerschweinchen sollten jederzeit rasch griffbereit sein, dekorativ aussehen und als lebendiges Kinderspielzeug dienen. Es herrschte die Einstellung vor, dass ein kleines Tier auch nur einen kleinen Behälter zur Aufbewahrung braucht.

Somit war die Einer- oder Zweierhaltung im platzsparenden Käfig völlig logisch, jeder fand das „normal.“ Die Schweinchen waren ja sowieso nur das Kinderspielzeug, das man bei Abnutzung (dick, unbeweglich und langweilig geworden im kleinen Käfig) recht schnell entsorgen konnte, nämlich aussetzen, einschläfern oder vernachlässigen und sterben lassen. 

Heute ist man einen Schritt weiter… man hat erkannt, dass Meerschweinchen hochsoziale Sippentiere sind, die in einem Rudel leben. Nur im Rudel können sie ihr interessantes Sozialleben zeigen, lassen sich aber gleichzeitig auch nicht mehr so einfach greifen und herausnehmen, denn im Rudel leben sie in einem grosszügigen Gehege, nicht mehr „griffbereit“ im winzigen Käfig.

Auch erwachsene Menschen haben gemerkt, dass Meerschweinchen hochinteressante, liebenswerte Tiere sind und schaffen sich die Meeries nicht (mehr) als Kinderspielzeug an, sondern als quirlige Hausgenossen, die richtig Leben in die Bude bringen, wenn sie artgerecht im Rudel auf grosszügiger Fläche leben dürfen.

Ich freue mich, dass immer mehr Tierliebhaber diese „Trend-Wende“ erkannt haben und ihren Tieren ein reges Sozialleben im Rudel gönnen.

Ausschlaggebend dafür ist jedoch ein grosses, ebenes Gehege, denn auch hier sollte man das natürliche Leben der Meerschweinchen beachten: Wildlebende Meerschweinchen klettern nicht auf Bäumen oder Felsen herum, sondern wuseln im hohen Gras über Trampelpfade und verstecken sich in Felsenhöhlen oder unter Baumstrünken. Deshalb ist es auch völlig logisch, dass man diese kurzbeinigen Wuseltiere nicht in einem schmalen, übereinander gestapelten Etagenbau „platzsparend“ unterbringen kann.

Dieses Umdenken von der Aufbewahrungs-Haltung zur sozialen Rudelhaltung erfordert Anstrengung und Kreativität. Das ist nicht sehr bequem und wird daher von vielen abgelehnt, weil es zu „mühsam“ ist.

Mehr dazu bei „Alternativen zum Käfig“

Text mit freundlicher Erlaubnis von Franziska Wehrli www.nagerforum.ch