Krankheiten erkennen

Tiere beobachten – Krankheiten erkennen

Meerschweinchen zu halten ist, bei artgerechter, naturnaher Rudelhaltung eine Freude für Tier und Mensch. Am Anfang ist man noch voller Begeisterung bei der Sache aber bei vielen Besitzern kommt bald einmal der Moment, an dem man kaum Zeit hat zu füttern, geschweige denn zu misten. Man nimmt sich zwar vor, heute zu misten, aber dann wird ein Kind krank und man muss zum Arzt oder man musste länger arbeiten und mag nun einfach nichts mehr machen. Hin und wieder darf so etwas auch vorkommen. Bei erschreckend vielen Meerschweinchenhaltern wird die Bequemlichkeit aber bald zur Gewohnheit. Viel zu oft wird einfach noch am Morgen oder Abend schnell Futter reingeschmissen, dann rennt man davon. Die Zeit, regelmässig einen Gesundheitscheck zu machen und die Schweinchen zu beobachten, damit man Krankheiten rechtzeitig erkennen kann, nehmen sich viele Leute nicht. Vielmehr ist es so, dass sich die Besitzer oft gar nicht bewusst sind, dass es etwas zu beobachten gibt, dass sie ihre Tiere regelmässig kontrollieren sollten und wenn doch, so wissen sie oft gar nicht, worauf sie eigentlich achten sollen und sind kaum imstande, ein gesundes Meerschweinchen von einem Kranken zu unterscheiden.

Ein gesundes Meerschweinchen hat ein sauberes, dichtes Fell, saubere, glänzende Augen, einen kompakten Körperbau und einen gesegneten Appetit. Es kommt zur Fütterung angerannt und bettelt quiekend um Futter.

Bitte nehmen sie sich bei jeder Fütterung die Zeit zu beobachten, ob wirklich jedes Tier zum Fressen kommt. Bei sehr alten Meeris kommt es manchmal vor, dass der Fütterungsbeginn verschlafen wird. In der Regel kommen diese Senioren dann etwas verspätet zum Essen, aber sie kommen. Fehlt ein Meerschweinchen bei der Fütterung, so muss man es suchen und nachsehen, was der Grund ist. Sitzt ein Schweinchen nur ruhig herum und ist es sogar aufgeplustert, so ist das Tierchen krank und gehört sofort zum Tierarzt.

Ganz besonders wichtig ist es, zu beobachten, dass nicht nur alle Tiere zum Fressen kommen, sondern dass auch alle Meeris wirklich fressen KÖNNEN. Wenn ein Meerschweinchen angerannt kommt und seine Nase ins frische Heu, ins Trockenfutter oder in den Salat steckt, heisst das noch lange nicht, dass es auch wirklich frisst. Meerschweinchen mit Zahnproblemen kommen natürlich angerannt und versuchen zu fressen, sie haben ja auch fürchterlichen Hunger. Aber die zu lang gewachsenen, messerscharfen Zahnspitzen der Backenzähne schneiden und stechen in die Wange und die Zunge und diese Schmerzen verhindern, das das Tier fressen kann. Es versucht das Futter in den Mund zu nehmen und darauf herumzukauen, muss es aber wieder rauslassen, weil es vor Schmerzen nicht fressen kann.

Es ist immens wichtig, dass Sie immer darauf achten! Ein Meerschweinchen, bei dem auch nur der Verdacht besteht, es könne nicht fressen, gehört unverzüglich zum Tierarzt!

Sofortiger Handlungsbedarf besteht ebenfalls, wenn ein Tier folgende Krankheitsanzeichen aufweist:

  • Eingefallene, kleine oder tränende Augen
  • Laufende Nase und /oder hörbare Atmung
  • Lustloses Herumhocken des Tieres
  • Zähneknirschen (Schmerzen)
  • Aufgeplustertes Fell
  • Schütteres Fell
  • Gewichtsverlust
  • Durchfall

Bisswunden im Nacken, Rücken oder am Hinterteil, meist in Kombination mit schütterem Fell, bedeutet in der Regel Milbenbefall. Milben müssen sofort nachhaltig behandelt werden. Ein zu starker Befall kann zum Tod des Tieres führen.

Weisser, schuppiger Belag an Ohren und/oder Nase, um die Augen (oft kreisrund) oder an einer anderen Stelle des Körpers (meist ca. 1 Fränkler gross) bedeutet Hautpilz, der sofort behandelt werden muss.

Bei täglicher Beobachtung werden solche Krankheitsanzeichen schnell erkannt, ohne dass man die Tiere herausnehmen und hochbeben muss. Für die Krallenpflege und die Fellpflege bei Langhaartieren muss man sich den Tieren trotzdem hin und wieder aufdrängen, denn Pflege und Kontrolle muss nun mal sein. Bei dieser Gelegenheit kann man auch gleich das ganze Tier einmal abtasten, die Vorderzähne kontrollieren, das Schweinchen auf die Küchenwaage stellen und sich das Gewicht notieren.

Übrigens: Wer seinem Tier den Tierarzt verweigert, ihm damit die nötige Hilfe verwehrt und es somit vernachlässigt, sei es aus Geiz, Gleichgültigkeit,  oder angeblichem Zeitmangel, der verstösst gegen das geltende Tierschutzgesetz und macht sich strafbar.

Dazu hier ein kleiner Auszug aus „Das Tier im Recht“

12.2.2   Tierquälerei (Art. 26 TSchG)

Den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt, «wer vorsätzlich

  • ein Tier misshandelt, vernachlässigt, unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet; 
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  • Tiere auf  qualvolle Art oder aus Mutwillen tötet;
  •  
  • Kämpfe zwischen oder mit Tieren veranstaltet, bei denen Tiere gequält oder getötet werden;
  •  
  • bei der Durchführung von Versuchen einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt oder es in Angst versetzt, soweit dies nicht für den verfolgten Zweck unvermeidlich ist;
  •  
  • ein im Haus oder im Betrieb gehaltenes Tier aussetzt oder zurücklässt in der Absicht, sich seiner zu entledigen» (Art. 26 Abs. 1 TSchG).

Art. 26 TSchG sieht für alle Varianten der Tierquälerei das gleiche Strafmass vor. Wer eine vorsätzliche Tierquälerei begeht, wird zu einer Freiheitsstrafe von zwischen sechs Monaten und drei Jahren oder zu einer nach sogenannten Tagessätzen berechneten Geldstrafe verurteilt. Für fahrlässig verübte Tierquälerei sieht das Tierschutzgesetz eine Höchststrafe von 20 000 Franken vor. Die vorsätzliche Tierquälerei wird entsprechend der Strafandrohung als Vergehen geahndet und im Kanton Zürich durch die Staatsanwaltschaft untersucht. Die fahrlässige Tierquälerei gilt als Übertretung, wofür die Statthalterämter zuständig sind. 

b) Begriff der Vernachlässigung

Die starke Vernachlässigung steht in Ergänzung zur Misshandlung von Tieren und macht deutlich, dass nicht nur derjenige wegen Tierquälerei bestraft werden soll, der einem Tier durch eine aktive Handlung Schmerzen und Leiden zufügt. Gleich verwerflich handelt, wer seinen Pflichten dem Tier gegenüber nicht nachkommt. Als Täter kommen daher nur diejenigen Personen in Frage, in deren Obhut sich das Tier befindet. Den Tatbestand des starken Vernachlässigen erfüllt also, wer die Obhut über das Tier inne hat und die zu seinem Wohlbefinden erforderlichen Handlungen wie Ernährung, Pflege und Gewährung einer angemessenen Unterkunft unterlässt, wodurch das Tier erheblich leidet bzw. dessen Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt ist. Ein Tier ist nicht erst dann stark vernachlässigt, wenn es nach seinem Zustand nicht mehr lebensfähig ist oder Gefahr läuft, zu verderben, sondern schon dann, wenn es unter der fehlenden oder ungenügenden Betreuung und Pflege leidet bzw. wenn sein Wohlbefinden eingeschränkt ist