Häufige Fehler

Häufige Fehler in der Meerschweinchenhaltung

Immer noch und immer wieder werden, vor allem mit kranken, angeschlagenen Meerschweinchen Fehler gemacht, die die Genesung dieser Tiere erschweren, verzögern oder sogar ganz verhindern. Was daran besonders schlimm ist – oft werden diese Fehler auf Rat und Empfehlung der Tierärzte gemacht. Dies geschieht natürlich nicht absichtlich, es liegt einfach daran, dass Tierärzte in der Ausbildung das Meerschweinchen vorwiegend aus medizinischer Sicht kennenlernen. Die Psyche des Meerschweinchens wird bei der Behandlung eines kranken Tieres fälschlicherweise oft völlig ausser acht gelassen. Und doch steht und fällt der Erfolg einer Behandlung mit dem seelischen Wohlbefinden des Patienten. Ist es bei uns denn nicht genauso?

Massive Fehler, die immer wieder gemacht werden sind:

  • Ein krankes oder parasitäres Tier wird isoliert.
  • Ein Tier ist krank – alle andern werden gleich mitbehandelt.
  • Ein Tier mit Pilz, Milben oder Haarlingen wird gebadet

Das allerschlimmste, das man seinem kranken Meerschweinchen antun kann, ist, es von seinem Rudel zu trennen. Zu dem Stress und der Belastung, die der kleine Körper im Moment mitmacht, kommen nun auch noch Einsamkeit, Trauer, Angst, weil es plötzlich  ganz alleine ist und der Verlust des Platzes in der Rangordnung dazu. Es kommt nicht selten vor, dass sich ein Meerschweinchen, das gute Heilungschancen gehabt hätte, aufgibt und vor lauter Einsamkeit einfach wegstirbt. Ausserdem passiert es nicht selten, dass, gerade in Kastratengruppen, ein separiertes Schweinchen anschliessend von seinem Rudel nicht mehr  akzeptiert wird.

Bis der Besitzer merkt, dass mit einem Meerschweinchen etwas nicht stimmt und zum Tierarzt geht, wo Pilz, Milben oder sonst eine Krankheit diagnostiziert wird, haben sich Parasiten oder Krankheitserreger längst im ganzen Rudel ausgebreitet. Deshalb gibt es absolut keinen Grund, ein krankes Meerschweinchen von seiner Gruppe zu trennen, es sei denn, man braucht eine Kotprobe oder muss beobachten können, ob und wie viel das Tier frisst. Dafür genügt aber eine Separierung von wenigen Stunden. Diese lässt sich ganz einfach durchführen, indem man das Schweinchen in einem, mit einem Frotteetuch ausgestatteten Transportkorb mitten ins Gehege stellt, so dass das separierte Tier trotzdem „bei den Leuten“ ist.

Wenn ein Meerschweinchen krank ist, muss das aber längst nicht heissen, dass nun alle Tiere krank werden oder Parasiten bekommen. Ein Meeri mit einem gesunden Immunsystem, das sich im Rudel wohlfühlt und artgerecht gehalten wird, kommt normalerweise mit solchen Erregern klar, ohne daran zu erkranken. Deshalb ist es unnötig und sogar unsinnig, präventiv gleich den Holzhammer auszupacken und alle Tiere aussen und innen mit Chemie zu „beglücken“. Behandelt wird nur, wer Krankheitsanzeichen zeigt. Und sollte es der Fall sein, dass tatsächlich mehrere oder sogar alle Schweinchen Pilz und/oder Milben bekommen, dann sollte man als Halter der Tiere dringend mal „über die Bücher“ und versuchen, die Ursache des ganzen Dilemmas zu eruieren.

Pilz oder Milben sind immer ein untrügliches Zeichen für Stress. Mögliche Ursachen können sein:

  • Haltung von unkastrierten Böcken
  • Zu viele Tiere auf zu wenig Platz
  • Dauerträchtigkeit der Weibchen
  • Platz/Halter/Rudelwechsel
  • Probleme in der Rangordnung aufgrund Veränderungen im Rudel
  • Ständiges Bespielt werden durch Kinder und dadurch Missachtung der Würde und des Ruhebedürfnisses der Tiere

Und was oft überhaupt nicht beachtet wird: Probleme oder Kummer des/der Besitzer. Tiere „übernehmen“ häufig von ihren Besitzern. Manchmal ist es einfach zu viel.

Nicht selten wird dem Halter auch empfohlen, ein Pilz/Milbenschweinchen komplett zu baden, einmal, mehrmals oder sogar täglich, bis die Sache ausgestanden ist. Auf diese Weise werden Sie Ihr Tier aber eher zu Tode stressen, als es heilen. Die Haut eines Meeris neigt, je nach Rasse mehr oder weniger, eher etwas zur Trockenheit. Sind nun auch noch Pilz oder Milben im Spiel, kommt auch noch ein extrem lästiger  Juckreiz hinzu. Die Shampoos, die Sie beim TA gegen Pilz/Milben bekommen, sind sehr scharf und trocknen die ohnehin schon gereizte Haut noch mehr aus –  der Juckreiz wird unerträglich. In der Folge kratzt sich das arme Tier fast zu Tode, weiss sich vor Juckreiz nicht mehr zu helfen und kann, wenn das Nervensystem vor Juckreiz völlig überladen wird, sogar epileptische Anfälle bekommen.

Wenn man Ihnen ein Shampoo gibt, so behandeln Sie Ihr Tier damit nur Lokal mit Wattebausch – oder Stäbchen. Abwaschen des Shampoos auf die gleiche Weise.

Wenn Sie ein Meeri mit Durchfall oder einer Blasengeschichte haben, das am Hinterteil voller Kot oder Urin ist und dessen (langes) Fell verschmutzt ist, so können Sie es unter fliessendem, lauwarmen Wasser hinten/untenrum mit einem milden Shampoo säubern. Aber auch hier nur lokal, niemals das ganze Tier waschen.

Weitere Fehler, die bei der Haltung der Meerschweinchen oft gemacht werden, sind:

  • einen unkastrierten Bock zu einem Pärchen setzen, damit es „einmal Junge gibt“ und sich dann wundern, dass es eine Schlägerei gibt zwischen Bock und Kastrat
  • Zu einem Pärchen (Kastrat und Weibchen) als drittes Tier einen Kastraten setzen.
  • Jungtiere im Alter von zwei Wochen verschenken, „weil die Mutter sowieso nicht mehr säugt“.
  • Jungtiere nicht nach Geschlecht zu trennen, „weil das schliesslich Geschwister sind und der Bruder ja sicher nicht die Schwester deckt.“
  • junge unkastrierte Böcke bei der Mutter lassen, „weil die ja sicher nicht die eigene Mutter decken würden.“
  • einen unkastrierten Bock beim hochträchtigen Weibchen lassen und dabei der Meinung sein, es würde reichen, ihn gleich nach der Geburt herauszunehmen.
  • Zu wenig Heu und dafür zu viel Grünzeug
  • Zu viel frisches Frühlingsgras
  • Die Gabe von Hamsterfutter, das in der Verdauung eines Meerschweinchens nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen hat.
  • Die Gabe von Salz – oder Kalklecksteinen , die  in Zoohandlungen schon fast als „zwingend für die Gesundheit“ angeboten werden, aber Gift für Harnwege und Blase sind (Harngriess, Blasensteine)

Die Liste der möglichen Fehler könnte beinahe endlos weitergeführt werden. Viel zu oft werden die Bedürfnisse und das soziale Verhalten von Meerschweinchen zu wenig beachtet oder auch völlig ignoriert, weil man einfach nicht „über den Nasenspitz“ hinaus denkt und es teilweise völlig an gesundem Menschenverstand und vor allem an TIERVERSTAND fehlt.