Ernährung

Ernährung

Meerschweinchen sind Herbivoren (Lateinisch herba ‚Kraut‘ und vorare ‚verschlingen‘), also Blatt/Grasfresser. Sie haben einen sogenannten Stopfdarm, das heisst, Meerschweinchen haben kaum Darmbewegung, deshalb müssen sie praktisch ständig fressen, damit der Nahrungsbrei im Darm weitergeschoben wird. Sie nehmen pro Tag 80 bis 100 kleine Mahlzeiten zu sich, die sehr Raufaserhaltig sein sollte.

Falsche Ernährung führt zu einer krankhaften Veränderung des Darmklimas, was zu Durchfall, Verstopfung und Blähungen, schlimmstenfalls zu Kreislaufversagen und Tod führt. Todesfälle, die sich der Halter nicht erklären kann, sind oft auf völlig falsche Ernährung zurückzuführen.

Richtige Fütterung:

Heu

Ist das tägliche Brot, sprich, Hauptfutter des Meerschweinchens. Qualitativ gutes Heu muss den Tieren immer zur Verfügung stehen. Als Heu wird nur der getrocknete erste Schnitt der Wiesen bezeichnet. Die nachfolgenden Schnitte nennt man Emd, welches sehr viel feiner ist als das grobfaserige Heu vom ersten Schnitt. Meerschweinchen mögen das feinere und weichere Emd zwar sehr gerne, allerdings ist damit der Zahnabrieb im Maul des Meerschweinchens nicht mehr gewährleistet.

Saftfutter

Meerschweinchen lieben Saftfutter. Es kann täglich gereicht werden, allerdings sollte es nicht zu viel sein, da ansonsten Durchfall drohen kann. Eine Handvoll Grün ist für ein Meerschweinchen völlig ausreichend. Meerschweinchen, die kein Saftfutter kennen, dürfen nur langsam daran gewöhnt werden. Ein paar Grashalme, zwei, drei Blättchen Löwenzahn, ein Scheibchen Karotte, ein Blättchen Salat. Wird das Grünzeug von den Meerschweinchen gut vertragen, kann die Menge langsam gesteigert werden. Dasselbe gilt für das erste Gras im Frühling. Dieses ist eigentlich zu eiweissreich für Meerschweinchen, deshalb auch hier, nur langsam anfüttern. Das beste Grünfutter vom Frühling bis in den Spätherbst hinein ist Gras und Löwenzahn. Meiden Sie beim Sammeln von Grünzeug aber das Gras an den Strassenrändern, welche von Autoabgasen und sich versäubernden Hunden verschmutzt sind.

Als Saftfutter mögen Meeris ausserdem: Gurke, Zucchini, Kürbis, Apfel, Lattich, Zuckerhut, Chinakohl, Sellerie mit Kraut, Fenchel mit Kraut, Kohlrabi mit Kraut, Karotten mit Kraut, Pastinaken, Topinambur, Peperoni, Blätter von Blumenkohl, Broccoli, Wirz.

Karotten, Apfel und Fenchel enthalten viel Zucker, deshalb hier nur sehr wenig als Leckerli reichen. Grundsätzlich gilt – alles mit Mass und nichts übertreiben. Es schadet auch nichts, gelegentlich einen reinen Heu-Tag einzulegen.

Wasser

Meerschweinchen trinken sehr gerne. Sie haben ein Recht darauf, täglich frisches Wasser zu bekommen. Sie können zwar einen Teil ihres Wasserhaushaltes mit Saftfutter ausgleichen, brauchen aber trotzdem immer frisches Wasser zur Verfügung, erst recht im Sommer wenn es sehr heiss ist. Manche Tierhalter halten noch immer an der Meinung fest, wenn man den Meerschweinchen kein Wasser gäbe, müsste man, weil weniger uriniert wird, auch weniger ausmisten. Ausserdem würden die Tiere den Wassernapf sowieso ständig verschmutzen. Wem es zu viel Mühe macht, täglich schnell den Wassernapf auszuwaschen und seinen Tieren einmal wöchentlich auszumisten und frisch einzustreuen, der sollte auf Meerschweinchen verzichten. Meerschweinchen brauchen Wasser! Wer ihnen keines gibt, handelt tierquälerisch.

Frische Äste

Man kann den Meerschweinchen kaum eine grössere Freude machen und kaum etwas Besseres für ihre Gesundheit tun, als sie mit frischen Ästen samt Blättern daran zu beglücken. Reicht man den Tieren frische Äste, so wird das Gehege zum fressbaren Abenteuerspielplatz. Da wird geknabbert und geschlemmt, es werden die tollsten Turnübungen und Verrenkungen gemacht um an das kleine Blättchen schräg oben rechts heranzukommen und es ist herrlich, sich unter Blättern und Zweigen zu verstecken. Die Äste werden völlig entrindet, alles wird aufgefressen, bis vom Ast nur noch ein weisses Skelett übrig ist.

Geeignet sind Äste und Blätter von: Hasel, Weide, Buche, Apfelbaum und Rottanne.

Viel wichtiger als der Spass –und Schlemmereffekt ist aber die Wirkung der Baumrinde auf die Zähne. Da die Rinde sehr zäh und faserig ist, müssen die Meerschweinchen sehr stark und lange kauen. Es gibt nichts Besseres für den Zahnabrieb sämtlicher Zähne.

Meerschweinchenzähne wachsen pro Woche bis zu 1,5 Millimeter nach. Gemessen an der Grösse des Tieres ist das enorm viel. Dass das richtige Futter auch die beste Zahnpflege ist, liegt daher auf der Hand.

Pellets

Als Trockenfutter für die Meerschweinchen genau das Richtige. Sie sehen aus wie Futterwürfel für Kaninchen. Optisch wesentlich weniger attraktiv als das bunte, eingefärbte Zeug, von dem man Wenig für viel Geld kaufen kann, dafür aber sehr viel gesünder und auch viel günstiger im Preis. Diese Pellets, die von den Futtermühlen in Zusammenarbeit mit Züchtern und Ernährungsspezialisten entwickelt wurden, enthalten viele notwendige Vitamine, vor allem sehr viel Vitamin C. Gerade Vitamin C können Meerschweinchen nicht selbst produzieren, deshalb sind die Tiere sind auf die Zufuhr von Vitamin C durch das Futter angewiesen. Dies wird aber normalerweise problemlos mit Grünfutter erreicht. Zur Ergänzung kann man pro Tier und Tag einen halben Esslöffel voll Pellets reichen.

Stubenmeeris, die keinen Energieverlust durch kalte Temperaturen haben, bräuchten eigentlich gar kein Pelletfutter. Meerschweinchen, die das ganze Jahr draussen leben, sollte aber im Winter regelmässig mit den vitaminreichen Pellets versorgt werden. Im Winter darf es ohne weiteres auch mehr als ein halber Esslöffel sein.

Falsche Fütterung:

Körnerfutter

Im Handel werden als Meerschweinchen-Hauptfutter immer noch Getreidemischungen angeboten. Es spricht nichts gegen einen halben Teelöffel voll Getreide als Leckerli, mal alle zwei Wochen. Den Futternapf mit Körnern zur freien Verfügung zu füllen, bedeutet für die Meerschweinchen über kurz oder lang eine Zahnfehlstellung und einen frühen Tod, entweder durch Verfettung oder durch massive Verdauungsprobleme.

Zahnfehlstellung deshalb, weil Körnerfutter viel Fett enthält. Weil es viel Fett enthält macht es länger satt als Heu oder Gras. Wer länger satt ist frisst länger nicht mehr und die Pausen zwischen den Mahlzeiten werden grösser. Das hat zur Folge, dass die Zähne weniger abgenutzt werden. Mit der Zeit werden die Zähne dann immer ein wenig länger, bis das Meerschweinchen nicht mehr kauen kann. Die Verletzungen, die sich das Meeri mit den spitzen, viel zu langen Zähnen in der Mundhöhle selbst zufügt, entzünden sich und eitern. Viele Meerschweinchen sind schon vor dem vollen Futternapf verhungert, weil niemand ihre Zahnprobleme bemerkt hat.

Ein Reservepölsterchen für Meeris, die auch im Winter draussen leben schadet den Tieren nicht. Aber permanentes Übergewicht durch die ständige Körnerfütterei erdrückt mit der Zeit die inneren Organe, das Herz verfettet und das Meerschweinchen stirbt an Organversagen. Ausserdem führt Übergewicht zu Fussfehlstellungen, verkrüppelten Füssen und Ballenabszessen.

Getreide enthält ausserdem viel Stärke, die im Körper zu Zucker abgebaut wird. Dieser Zucker tötet die für die Verdauung notwendigen Bakterien und Enzyme im Verdauungstrakt der Meeris ab. Als Folge davon kann das Darmklima kippen und es entstehen heftige Verdauungsbeschwerden, an denen ein Meerschweinchen sterben kann.

Bunte Futtermischungen

Im Grosshandel und vor allem in Zoogeschäften kann man diese teuren, bunten, teilweise aufgepufften Futtermischungen kaufen. Sie bezahlen viel Geld für wenige hundert Gramm eines „Hauptfutters“, das Ihre Meerschweinchen krank machen kann. Die bunten Farbstoffe enthalten nämlich einige E-Nummern, die bei Meerschweinchen Harn/Blasensteine begünstigen können. Ihre Meerschweinchen brauchen dieses bunte Zeugs nicht.

Wenn‘s farbig sein soll, geben Sie Ihren Meeris doch lieber eine schöne bunte „Gemüseplatte“.

Hartes Brot

Noch immer hört man, hartes Brot sei gut für die Zähne. Man glaubt, den Tieren damit etwas Gutes zu tun und tut damit gerade das Falsche. Den Zähnen bringt hartes Brot nichts, denn es weicht beim Kauen durch den Speichel so schnell auf, dass sofort ein Brei entsteht. Die Zähne müssten aber sehr viel länger arbeiten, damit der nötige Abrieb gewährleistet ist.

Ausserdem besteht Brot nun mal aus Getreide, siehe oben, zu dem nun im gebackenen Zustand auch noch Salz, Hefe, Konservierungsstoffe und, bei längerer Aufbewahrung, nicht selten auch Schimmelsporen hinzukommen. All dies hat im Körper eines Meerschweinchens nichts zu suchen.

Wenn Sie Ihren Meeris etwas Gutes für die Zähne tun wollen, geben Sie ihnen lieber frische Äste.

Nagerstangen, Nagerdrops, Salz- und Mineralienlecksteine.

Die Hersteller lassen sich viel einfallen um bei den Tierhaltern das gute Gefühl zu erzeugen, ganz besonders gut für ihre Lieblinge zu sorgen und keine Kosten für sie zu scheuen. Und zu nichts anderem taugen diese „Nahrungsergänzungen“ für Meerschweinchen. Sie dienen weder der Gesundheit noch dem Wohlbefinden Ihrer Tiere.

Nagerstangen bestehen aus Getreide und/oder Nüssen (Fett) und Zucker in Form von Honig oder Melasse.

Nagerdrops bestehen aus Zucker, Joghurt und Farbstoffen, die dem Käufer, je nach Farbe, Gemüse oder Beeren vorgaukeln sollen.

Salz- und Mineralienlecksteine sind der Gesundheit eher abträglich als förderlich. Ein Zuviel dieser Elemente kann ebenfalls wiederum zu Blasensteinen führen. Die Salze und Mineralien, die Meerschweinchen brauchen, nehmen sie mit der richtigen Ernährung auf ganz natürliche Weise auf.

Es gibt übrigens leckere, getreide -und zuckerfreie Nagerstangen und Leckerlis als Alternative.