Eins, zwei oder drei?

Wie viele Schweinchen sollen’s sein?

Wer in der heutigen Zeit neu mit der Meerschweinchenhaltung beginnt, entscheidet sich in der Regel für zwei Meerschweinchen. Paarhaltung bei Meerschweinchen ist das, was man vom Züchter oder im  Zoofachandel normalerweise empfohlen bekommt. Abgesehen davon, dass seit September 2008 die Einzelhaltung von Meerschweinchen in der Schweiz verboten ist, sind zwei Tiere natürlich besser als nur eines. Aber so besonders toll ist das nun auch nicht. Meerschweinchen sind Rudeltiere! Zwei Meerschweinchen sind kein Rudel sondern „nur“ ein Paar. Ein Paar, das wir nach unserem Gutdünken zusammengebracht haben und das notgedrungen miteinander vorlieb nehmen und zusehen muss, dass es miteinander auskommt. Wenn sich beide gut verstehen ist das auch sehr schön, aber gar nicht so selten ist es nur eine Zwangsgemeinschaft und keines der beiden Schweinchen hätte sich diesen Partner ausgesucht, wenn es die Wahl gehabt hätte. Meerschweinchen sind nicht nur instinktgeleitete Kreaturen, denen es egal ist, mit wem sie zusammen sind. Sie haben Vorlieben und Abneigungen was ihre Partner betrifft, sie sind auch „jemand“. Sagen Sie ehrlich, würden SIE einfach jeden oder jede nehmen?

Ich bekomme sehr oft Meerschweinchen, die aus einer Paarhaltung übriggeblieben sind oder auch Pärchen, die schon immer nur zu zweit gehalten wurden. Wenn diese Tiere dann andere Artgenossen kennenlernen und ich zusehen kann, wie diese Schweinchen richtiggehend aufblühen, faule Käfighocker anfangen sich zu bewegen und zu rennen und ängstliche, nervöse Schweinchen frech und neugierig werden, weil sie die Sicherheit eines richtigen Rudels erleben dürfen, dann frage ich mich, wie man um Himmels willen nur zwei Meerschweinchen in einer, mit der Zeit doch eher langweiligen und ereignislosen Paarhaltung halten kann. Die Vorstellung, solche Meeris, die gerade das interessante, abwechslungsreiche Leben im Rudel kennengelernt haben, wieder aus dem Rudel zu reissen und in eine, aus meiner Sicht, langweilige Zweierhaltung zu geben, ist für mich inzwischen ebenso undenkbar wie Einzelhaltung.

Ein besonderer Nachteil der Zweierhaltung ist, dass man sich, sobald eines stirbt, sehr beeilen muss, dem verwitweten Tier wieder einen Artgenossen zu besorgen, was bei Aussenhaltung im Winter noch dringender ist als bei angenehmen Temperaturen. Hält man wenigstens drei Schweinchen, kann man sich eher damit Zeit lassen, die Kleingruppe wieder zu ergänzen.

Ab drei Meerschweinchen kann man von einer Kleingruppe sprechen. Ab drei Tieren kann ein sozialer Austausch stattfinden, es läuft mehr, es gibt mehr zu „bereden“, wenn das eine Familienmitglied gerade keine Lust zum Rennen oder Spielen hat, dann vielleicht das andere.  

Eine wirklich interessante, abwechslungsreiche und spannende Meerschweinchenhaltung, nicht nur für die Tiere, sondern auf alle Fälle auch für den Halter, beginnt ab vier Meerschweinchen. Vier oder mehr Tiere bilden ein Rudel, in dem sich das Sippentier Meerschweinchen am wohlsten fühlt. So ein kleines Rudel braucht natürlich auch den entsprechenden Platz. 2 Quadratmeter für eine klassische Gruppe von einem Kastraten und drei Weibchen sollten im Minimum vorhanden sein, drei Tiere sollten wenigstens 1,5 Quadratmeter Platz zur Verfügung haben. Für reine Kastratengruppen rechnet man doppelt soviel Platz. Dabei sollte es sich aber ausschliesslich um ebene Bodenfläche handeln, damit die Schweinchen auch mal wirklich rennen und spurten können. Werden die 1,5 oder 2 Quadratmeter zwei – oder sogar dreistöckig in die Höhe gebaut, ist der Effekt des ausreichenden Platzes dahin. Es trauen sich bei Weitem nicht alle Meerschweinchen, Rampen hochzuklettern und vor allem alte Tiere mögen oft keine Rampen mehr hochsteigen und der Lebensraum eines alten oder nicht so mutigen Meerschweinchens wird so dann extrem eingeschränkt. Wohingegen eine Bodengrundfläche in den angegebenen Quadratmetern durchaus mit einigen grossflächigen Etagen und längeren, nur leicht ansteigenden Rampen ergänzt werden können, um das Platzangebot auf diese Weise noch zu erweitern.

Grundsätzlich ist es meine Meinung, dass, wer nicht wenigstens 1,5 Quadratmeter Platz für drei Meeris in seiner Wohnung schaffen kann oder im Garten oder auf dem Sitzplatz keinen Platz für ein Gehege von 2 Quadratmetern mit einem ausserhalb des Geheges angebauten Stall für vier Meeris hat, der hat eigentlich überhaupt keinen Platz für diese Tiere und sollte deren Anschaffung vielleicht noch einmal überdenken.