Philosophie

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Nach einem Sturm lagen unzählige Seesterne angespült am Strand. Ein alter Mann ging den Strand entlang, hob Seestern um Seestern auf und warf ihn zurück ins Wasser. Ein junger Mann kam hinzu und fragte ihn, was er da mache. „Ich werfe die Seesterne wieder ins Wasser, hier am Strand würden sie bald sterben.“ Der junge Mann lachte den Alten aus und sagte: „Aber du kannst doch unmöglich alle Seesterne retten, es liegen tausende davon am Strand. Was ändert es denn, wenn du ein paar davon wieder ins Wasser wirfst?“ Der alte Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand, warf ihn ins Wasser zurück und sagte dann: „Für DIESEN hier ändert es ALLES“

Wir spenden jährlich Millionen von Franken an Erdbeben – Flut – und Hungeropfer. Das ist auch gut und richtig so. Dennoch, mit ein paar am PC eingetragenen Zahlen, einer kurz geleisteten Unterschrift, haben wir unser Soll mal wieder für ein Jahr erfüllt. Damit haben wir das gute Gefühl etwas „getan“ zu haben und freuen uns, dass wir die ganze Aktion erst noch von den Steuern abziehen können. Was für eine kolossale Alibi-Übung!

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum ich mich denn ausgerechnet für Meerschweinchen derart einsetzen würde, wenn es auf der Welt doch so viel Elend gibt. Anderswo herrsche Krieg und Krankheit, würden Kinder verhungern und ich würde „wegen ein paar so blöden Viechern“ einen solchen Aufstand machen.

Ich bin der Meinung, wer so denkt, hat den Wert eines jeden Lebens nicht erkannt. Ich persönlich helfe am liebsten dort, wo ich es direkt und mit eigenen Händen tun kann. Das kostet Zeit, Geld und bedeutet körperlichen Einsatz und eine fast ständige Präsenz. Ich werde dabei schmutzig, werde vom Regen durchgeweicht und werde im Winter durchgefroren. Dennoch mache ich es gerne, denn ich kann so unmittelbar etwas bewirken und sehe ein Ergebnis. Ich pflege kranke und verletzte Tiere, sehe wie sie gesund werden und versuche dann, für ihr zukünftiges Leben das Bestmögliche herauszuholen.

Jeder Mensch, der mir sein/e Meerschweinchen bringt oder per Mail oder Telefon Rat sucht, hat seine eigene Geschichte. Manchmal bekomme ich diese Geschichte zu hören oder zu lesen und werde dabei um meine Meinung oder sogar um Rat gefragt. Oft hat diese Geschichte dann rein gar nichts mit Meerschweinchen zu tun, sondern diese Menschen möchten einfach erzählen und freuen sich, dass ihnen jemand zuhört. Und nur schon durch’s Zuhören ist vielen schon geholfen. Auch dafür investiere ich meine persönliche Zeit.

Wer mir diesen Einsatz, notabene in der eigenen warmen Stube sitzend, vorwerfen will, dem empfehle ich, einmal darüber nachzudenken, wann er das letzte Mal etwas wirklich nachhaltig Gutes für jemand anderen getan hat, das letztendlich nicht nur dem eigenen Wohlbefinden gedient hat.

Ja, es ist wahr, man kann nicht immer alles retten. Aber für diejenigen die Hilfe brauchen und die in Reichweite sind, egal ob Menschen oder Tiere, soll man tun was man kann, wenn man es kann, egal worum es geht. Manchmal braucht es dazu nur ein Lächeln oder ein gutes Wort. Die schlimmsten Sünden die wir begehen, sind die Unterlassungssünden.

Meine Auffangstation ist mein Beitrag, die Welt um mich herum ein klein wenig besser zu machen. Notmeerschweinchen sind meine „Seesterne“. Ich habe mich dafür entschieden, diesen liebenswürdigen kleinen Tieren und damit auch ihren Besitzern zu helfen. Wofür entscheiden Sie sich?

 Foto mit freundlicher Erlaubnis von Roger Meier